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MacBook Air

MacBook Air 01. Februar 2008, 15.00 Uhr Ortszeit, irgendwo in Europa. Der offizielle Verkaufsstart für das „dünnste Notebook der Welt“, wie Apple sein neues MacBook Air am deutschen Markt untertitelt, ist erfolgt und wird flankiert von einem Werbespot, der vor allem die beeindruckend geringen Maße des Gerätes und die damit verbundene Flexibilität für den Anwender in das Zentrum der Betrachtung stellt.

Das MacBook Air steht in zwei Varianten zur Verfügung, die mit 1.699 Euro, bzw. 2.868 Euro nicht gerade preiswert sind, bei denen man, aufgrund der eingesetzten, technischen Innovationen, allerdings dennoch davon ausgehen kann, dass sie ihre Fangemeinde finden und überzeugen werden. Die anfängliche Kritik traf vor allem das Fehlen bestimmter Systemkomponenten, wobei diese negativen Stimmen, mit einem Blick auf das Gesamtkonzept der Produkte, schnell zum Schweigen gebracht werden können.

Es ist richtig: Das MacBook Air verfügt über kein optisches Laufwerk und ist auch in Bezug auf die Anschlussmöglichkeiten eher spartanisch ausgestattet. Zu beachten ist hier allerdings, dass solche Komponenten, angesichts der innovativen Funktionen im Bereich der drahtlosen Konnektivität, einfach nicht mehr gebraucht werden und so erinnern die Unkenrufe der Branche ein wenig an die Reaktionen in Bezug auf sehr frühe Macs, als ernsthaft kritisiert wurde, dass diese Geräteklasse ja nicht einmal über eine DOS-Ebene verfüge. Die damaligen Stimmen verhallten rasch, Microsoft entwickelte mit Windows in der Folge ebenfalls ein objektorientiertes Betriebssystem und benannte es nach exakt den „Fenstern“, die den Mac von Beginn an ausgezeichnet hatten.

Im Folgenden werden die beiden neuen Produkte aus dem Hause Apple vorgestellt und im Mittelpunkt hierbei stehen zum einen die technischen Innovationen, die eine solch extreme Bauform erst möglich gemacht haben, zum anderen das Gesamtkonzept, das ebenso revolutionär wie nahe liegend ist, wenn man über die Entwicklung von Notebooks im 21. Jahrhundert nachdenkt.

Die Modelle
Erhältlich ist das MacBook Air in zwei Modellvarianten, die in ihren Bezeichnungen lediglich auf die Geschwindigkeit der verbauten Prozessoren eingehen. So wird das kleinere Modell als MacBook Air 1,6GHz und das größere als MacBook Air 1,8GHz bezeichnet. Irritation kann hier bei einem Preisunterschied von 1.187 Euro durchaus anfänglich aufkommen, wenn man davon ausgeht, dass der Unterschied lediglich auf einem Geschwindigkeitsunterschied der Prozessoren im Bereich von 0,2GHz basiert, zumal beide Geräte von Hause aus bereits mit einem 2GB DDR2 Arbeitsspeicher ausgestattet sind. Forscht man weiter nach Unterschieden, verstärkt sich zunächst die Irritation. Während das kleinere Modell mit einer 80GB Festplatte geliefert wird, reduziert sich das Volumen im größeren Modell auf lediglich 64GB. Erst auf den zweiten Blick stellt man fest, dass es sich bei dem kleineren Volumen um einen internen Flash-Speicher im SSD Format handelt. Diese Technologie ist nicht nur robuster und kleiner, sondern vor allem auch schneller, als herkömmliche Festplatten. Die Startzeit des MacBook Air reduziert sich dabei auf 10,5 Sekunden, vom Ertönen des Startsounds, bis zum kompletten Aufbau des Desktop und des Dock und auch in Bezug auf den Start von Programmen macht sich die Technologie positiv bemerkbar. Mit 64GB wurde hier die derzeit maximale Größe verbaut, wobei die noch sehr hohen Anschaffungskosten dieser Speicherform den Preisunterschied zwischen den beiden MacBook Air Modellen erklären und plausibel machen. Der Flash-SSD ist insgesamt nicht nur wesentlich schneller, sondern arbeitet darüber hinaus geräuschlos, verbraucht bis zu 95 Prozent weniger Energie als herkömmliche Festplatten und kommt ohne bewegliche Teile aus, was einen Verschleiß vollständig verhindert.

MacBook Air
Der äußere Eindruck
Apple gibt die Gewichtung der Beurteilung der neuen Gerätegeneration selber vor: Das dünnste Notebook der Welt will zunächst auf Basis seiner äußeren Merkmale wahrgenommen werden. Bei einer Grundfläche, die insgesamt nur wenig mehr Platz einnimmt, als ein DIN A4 Papier, wartet das Gerät mit einer Gesamtstärke von maximalen 1,94 cm auf, die sich an den Außenkanten auf 0,4 cm reduziert. Hierbei beträgt das Gesamtgewicht gerade einmal 1.360 Gramm, womit das Notebook seinen Besitzer in wirklich keiner Weise belastet. Zum Vergleich: Selbst das kleinste Gerät der Produktreihe MacBook, das MacBook 2,0GHz wiegt, bei einer Stärke von 2,75 cm, bereits 2.270 Gramm.

Das Gehäuse besteht vollständig aus Aluminium und beherbergt ein 13,3 Zoll Breitformat-Display mit Hochglanzanzeige, dessen Beleuchtung nicht nur per LED-Technologie erfolgt, sondern dessen Helligkeit zudem über einen Sensor an das Umgebungslicht angepasst wird. Der Bildschirm bietet bei einem Seitenverhältnis von 3:2 eine maximale Auflösung von 1280 x 800 Pixel.

Die normal große Tastatur mit 79 Tasten ist ebenfalls mit einer Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, die auf den schwarzen Tasten lediglich die Zeichen hell erscheinen lässt und die sich, wie auch die Displaybeleuchtung, automatisch an das Umgebungslicht anpasst. Ergänzt werden die Eingabeoptionen durch das sehr große, elektronische Multi-Touch-Trackpad, das neben den Normalfunktion auch das Blättern mit zwei Fingern auch die Bewegungen Drehen, Streichen, Tippen, Auf- und Zuziehen, Doppeltippen und Bewegen unterstützt.

Am oberen Displayrahmen ist bereits eine Apple iSight Kamera integriert, die, gemeinsam mit dem integrierten omnidirektionalen Mikrofon eine unmittelbare Nutzung von Videochat und Konferenzsoftware erlaubt, ohne dass hierzu weitere Geräte angeschlossen werden müssen.

Neben dem Anschluss für den Netzadapter wartet das MacBook Air lediglich mit drei zusätzlichen Anschlüssen auf, die unter einer Klappe am rechten, oberen Gehäuserand verborgen sind. Neben einem Audio-Out- und einem USB 2.0 Port, findet man hier den Micro DVI Anschluss, der, durch den Einsatz entsprechender Adapter, von denen zwei bereits mitgeliefert werden, den Anschluss an beliebige Darstellungsgeräte erlaubt. Zur Verfügung stehen insgesamt die DVI-Ausgabe (mitgeliefert), die VGA-Ausgabe (mitgeliefert), sowie optional die Nutzung von Composite- und S-Video-Ausgabe.

Die inneren Werte
Das reizvolle Äußere des MacBook Air sollte keinesfalls von den inneren Qualitäten der Gerätereihe ablenken, die insgesamt vor allem auf Schnelligkeit und Anwenderfreundlichkeit ausgerichtet sind. Um überhaupt ein Notebook mit den vorliegenden Abmessungen konstruieren zu können, musste der verbaute Prozessor im Rahmen einer Sonderform überarbeitet werden, da seine gewöhnliche Baugröße bereits die Gehäuseausmaße gesprengt hätte. Insofern setzt das MacBook Air einen Intel Core 2 Duo Prozessor, wahlweise mit 1,6 oder 1,8 GHz ein, der wesentlich kleiner ist, als das konventionelle Intel Produkt, ohne das hierdurch die überragenden Leistungen eingeschränkt werden. Insgesamt arbeitet der Prozessor mit 4 MB gemeinsam genutztem On-Chip L2-Cache, der mit Prozessorgeschwindigkeit arbeitet und einem 800 MHz Frontside-Bus.

Der Arbeitsspeicher ist bei beiden Modellen auf 2 GB standardisiert. Hier kommen hochwertige DDR2 SDRAM mit 667 MHz zum Einsatz.

Gerade im Zusammenspiel mit dem Betriebssystem Mac OS X Leopard entwickelt das MacBook Air eine überzeugende Gesamtperformance. Der Tradition folgend, bietet Apple hier eine Betriebssoftware, die das unkomplizierte und darüber hinaus unterhaltsame Arbeiten mit Fotos, Videos und allen anderen Arten von Inhalten von vornherein erlaubt und unterstützt. Hierbei sind bereits eine Vielzahl von Applikationen integriert, wie der Webbrowser Safari, die Programme Mail, Adressbuch und iCal, zur Verwaltung von Mails, Kontakten und Terminen, iChat mit innovativen Funktionen im Bereich Video-Konferenz, Time Machine, zur lückenlosen Datensicherung und flexiblen Wiederherstellung und schließlich Boot Camp, einem Programm, mit dem Windows Programme auf einem Mac ausgeführt werden können, ohne dass es zu qualitativen Einschränkungen kommt. Der neue Finder, die Funktionen Übersicht und Spaces und die neue Kindersicherung ergänzen den Funktionsumfang.

Die Kommunikation
Es ist eine bewährte konzeptionelle Vorgehensweise von Apple, den technologischen Status-Quo in Bezug auf Rechnersysteme nicht nur voran zu treiben, sondern diesen so konsequent einzusetzen, dass es in der Vergangenheit häufig gelungen ist, unter Ausschöpfung aller Technologien und Möglichkeiten, die hausinternen Entwicklungen auf die Ebene der nächsten Generation von Produkten zu katapultieren. Im Falle der MacBook Air haben die Entwickler sich erfolgreich darum bemüht, alle Technologien zur drahtlosen Übertragung von Daten so konsequent zu nutzen, dass mit der neuen Notebook Generation eine Geräteklasse vorgestellt wird, die einen deutlichen Schritt in die Zukunft vorgibt.

Es kann nicht verwundern, dass dieses Konzept stark kritisiert wird, da es erforderlich ist, die Intention, die hinter dem MacBook Air steht, zunächst zu verstehen. Kritiker bemängeln das Fehlen eines optischen Laufwerkes und kommentieren süffisant, dass es keine große Kunst wäre, dass dünnste Notebook der Welt anbieten zu können, wenn man essentielle Bauteile einfach wegfallen lassen würde. Diese Argumentation ist definitiv zu einfach und berücksichtigt das tatsächliche Produktkonzept nur unzureichend. Es ist richtig: Das MacBook Air verfügt weder über ein optisches Laufwerk, noch über eine Vielzahl von Peripherie-Anschlüssen und Erweiterungsports. Wenn der Anwender dennoch den Inhalt einer CD oder einer DVD nutzen möchte, dann braucht er nichts anderes zu tun, als das Laufwerk eines beliebigen Rechners in seiner Umgebung für den Einsatz mit dem MacBook Air zu konfigurieren. Ist dies geschehen, so kann das Notebook auf die Daten von beliebigen Laufwerken, die sich in Funkreichweite befinden, mit höchster Geschwindigkeit zugreifen. Und hiermit nicht genug: Komplette Inhalte sämtlicher Macs in der Umgebung, bzw. bei bestehender Verbindung mit dem Internet auch auf weite Distanzen, können so genutzt werden, als würden sie sich auf dem lokalen Volumen befinden.

Vermisst der Anwender vielleicht anfänglich eine schnelle Firewire-Verbindung zum Anschluss externer Backup-Medien, so wird er durch die „Time Machine“ Funktion des neuen Leopard Betriebssystems schnell eines Besseren belehrt. In Form einer kontinuierlichen Datensicherung werden so in einem stündlichen Rhythmus sämtliche gespeicherten Inhalte extern gesichert. Auffindbar sind diese über eine Time-Shift Funktion, bei der der Anwender nichts anderes tut, als zur Wiederherstellung von Daten einen Zeitpunkt anzufahren, zu dem die Inhalte noch vorhanden waren. Hierzu stehen umfangreiche Suchfunktionen zur Verfügung und die Wiederherstellung gelingt mit nur einem Mausklick. Als Speichermedium steht drahtlos die neue Apple Time Capsule zur Verfügung, eine externe Festplatte mit 500 GB, bzw. 1 TB Kapazität, die gleichzeitig die Aufgabe einer Wi-Fi Basisstation übernimmt.

Während die Funkunterstützung des MacBook Air auf dem IEEE 802.11n Standard basiert, deckt die integrierte Bluetooth 2.1 Technologie alle übrigen Anforderungen an drahtlose Anwendungen ab und beinhaltet hierzu sogar den der (Enhanced Data Rate) Mode, für besonders schnelle Transferraten.
MacBook Air Front Ansicht
So wird deutlich, dass innerhalb des Gesamtkonzeptes nicht etwa essentielle Dinge weggelassen wurden. Stattdessen wurde althergebrachte Technologie ersetzt, durch die modernen und leistungsfähigen Möglichkeiten moderner Datenübertragung auf drahtlosem Weg.

Grenzen
Wenngleich viele Kritikpotentiale dadurch zu entkräften sind, dass Apple hier einen ganz neuen Weg in Bezug auf Konzept und Konstruktion gegangen ist, sollen dennoch die Features und Bauteile Erwähnung finden, die von Anwendern zunächst vermisst werden. Für besonders große Irritation sorgte hierbei die Tatsache, dass die Batterie nicht austauschbar, sondern stattdessen fest verbaut ist. Insgesamt 19 Schrauben müssten gelöst werden, um Zugang zu dieser zu erhalten, im Falle, dass sich die Notwendigkeit einstellt, diese doch einmal austauschen zu müssen.

Das Fehlen eines optischen Laufwerks wurde bereits hinreichend besprochen. Steht man der Anbindung von Laufwerken anderer Rechner kritisch gegenüber, so bietet Apple hier ein externes Laufwerk, das über den USB Port angeschlossen und betrieben werden kann. Kritisiert wird darüber hinaus, dass Fehlen essentieller Anschlüsse, wie Ethernet oder Firewire, wobei Apple einen Adapter anbietet, der, angeschlossen an den USB Port, einen Ethernet-Anschluss bereit stellt. Die internen Festplatten, sowohl im Falle der Standardplatte, als auch im Bereich SSD wird als zu klein empfunden. Während die Kritik im Bezug auf die Standardplatte mit ihren 80 GB berechtigt ist, stellt die Größe des SSD-Speichers, mit 64 GB, das derzeit maximal mögliche Volumen dar.
MacBook Air
Fazit
Erwähnt werden sollte noch, dass Apple auch in Bezug auf den Umweltschutz, mit dem MacBook Air neue Wege einschlägt. So wurde während der gesamten Entwicklung darauf geachtet, dass verbaute Materialien optimal recycelt werden können. Dies gilt nicht nur für das Gerät selber, sondern auch für die eingesetzte Verpackung. Hinzu kommt der bevorzugte Einsatz von umweltfreundlichen Materialien. Dies beginnt bei dem Aluminium Gehäuse, geht über den Einsatz eines Bildschirms, ohne Quecksilber und Arsen und endet bei einer internen Verkabelungen ohne PVC. Auch der geringe Stromverbrauch stellt einen umweltpolitischen Aspekt der neuen Gerätereihe dar.

Insgesamt kann gesagt werden, dass es sich bei dem MacBook Air um eine gute Alternative in Bezug auf andere Notebooks, ob nun aus dem Hause Apple oder von anderen Herstellern angeboten, handelt. Im Vordergrund stehen hierbei sicherlich zunächst Design- und Style-Elemente, die dem Verbraucher eine besondere Affinität zu dem neuen Gerät verschaffen und die dafür sorgen, dass, wie bei Apple üblich, eine enge Verbindung zwischen Produkt und Anwender entsteht. Aber auch die detaillierte Betrachtung der technischen Details tut der positiven Beurteilung des MacBook Air keinen Abbruch. Apple hat hier konsequent ein neues Konzept verfolgt, vor allem in Bezug auf die Konnektivität der Produktreihe und es obliegt dem Interessenten, die Entscheidung zu treffen, inwieweit das MacBook Air geeignet ist, seine individuellen Anforderungen, Arbeitsbedingungen und Einsatzschwerpunkte zu erfüllen. Die Vielseitigkeit von Rechner und Betriebssystem spricht allerdings dafür, dass es nicht wenige sein werden, die sich für die neue Generation mobiler Computer entscheiden werden und somit zum Besitzer des dünnsten Notebooks der Welt werden.